Im Aquarium

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Donnerstag, 30. Mai 2019

Journalistische Rituale

Vatertag.

Man könnte Vätern dafür danken, dass sie für ihre Kinder da sind. Man könnte Vätern dafür danken, dass viele von ihnen eine Familie ernähren, die sie selbst kaum zu Gesicht bekommen. Man könnte ganz allgemein Männern dafür danken, dass sie die Gesellschaft am Laufen halten und für unsere Sicherheit sorgen, in Bergwerken und Krankenhäusern, bei Feuerwehr und Polizei, als Dachdecker und Pilot. Man könnte auch einfach mal Vätern dafür danken, dass sie da sind, ohne gleich eine Gegenleistung von ihnen zu verlangen. Einfach so, aus Liebe.

Stattdessen wird der Tag jedes Jahr aufs Neue dazu genutzt, Männer im Allgemeinen und Väter im Besonderen zu verunglimpfen. Statt über die vielen Väter zu berichten, die mit ihren Kindern einen Ausflug machen, echauffieren sich Journalisten lieber über ein paar Betrunkene (von denen die wenigsten Väter sein dürften). Kriminelle Taten, Pöbeleien oder ausländerfeindliche Übergriffe, die das ganze Jahr über vorkommen, werden per Assoziation dem Vatertag zur Last gelegt. Und selbst wenn nichts vorgefallen ist, woran man Anstoß nehmen könnte, schaffen es Journalisten, das Wetter, eine Eiskreation oder eine Theateraufführung zu nutzen, um nur ja kein gutes Haar an diesem Tag und damit an den Vätern / Männern zu lassen. Ein Automatismus, der im Folgenden anhand von 28 Jahren „Berichterstattung“ in der taz dokumentiert wird, stellvertretend für alle feministisch indoktrinierten Medien.


Die Neunziger

1990 gibt’s eine erfundene (?) Glosse (?) mit dem kryptischen Untertitel: „Der ‚Vatertag' im Ostberliner Ausflugslokal ‚Rübezahl' / Ein Saufgelage mit faschistoiden Zügen / Eine regelrechte Hetzjagd auf Frauen wurde veranstaltet". Und ein gewisser Steffen S. sieht im Titel eines weiteren Artikels die „Herrendämmerung" hereinbrechen.

1991 wird eine dpa-Meldung zu „Skins randalierten am Vatertag" verwurstet: „Vatertag war auch Skinheadtag". In einem zweiten Artikel werden verschiedene rechtsradikale Übergriffe zur „Gewaltspirale am Herrentag hochgedreht". Und jemand mit dem ach-so-witzigen Kürzel „mad-onna" salbadert: „Einmal im Jahr träumt man von einer Geschlechtsumwandlung, einmal im Jahr wünscht man sich die Welt voller Frauen, einmal im Jahr ist Vatertag. (...) Schön ist vor allem der Tag danach: Das ist der Tag, der vom nächsten Vatertag am weitesten entfernt ist."

1992 hält Dirk Wildt für wichtig zu berichten: „Vatertag: 12 Lastwagenfahrer saufen sich durch die Stadt."

1993 werden als „Bilanz des Vatertages" minutiös Schlägereien, Streitigkeiten und Ruhestörungen aufgezählt.

1994 macht Eberhard Löblich aus rechtsradikalen Angriffen von Skinheads „‚Ausländerjagd' am Vatertag" und lässt es sich nicht nehmen, darauf hinzuweisen, dass die Polizei derweil beschäftigt war, „normale Vatertagsschlägereien" zu schlichten.

1995 darf Peter Lerch unter dem Titel „Besoffen wie jeden Tag" Väter als Menschen titulieren, „die ihre oft Jahrzehnte zurückliegenden Beischlafresultate feiern".

1996 wird kurz und pflichtgemäß vom „siebten Himmel" geschrieben, „in den sich die Väter dank mitgeführter Spirituosen bugsierten".

1997: „Vatertagsbilanz: Trinken und Randalieren as usual". Was zum Beweis mit zwei weiteren Artikeln untermalt wird. Und Andrea Böhm macht sich über Leipziger Wildwest-Fans lustig: „Vatertag am Snake Pit Lake".

1998 werden drei x-beliebige Pressemitteilungen per Überschrift auf Vatertag getrimmt: „Vatertag I: Rechte Randale in Thale", „Vatertag II: Rechte Randale in Magdeburg" und „Vatertag III: Rechte Randale in Mühlhausen".

1999 erinnert Barbara Bollwahn an einen Angriff Rechtsradikaler zwei Jahre zuvor: „Wenn Rechte am Vatertag Klein-Hitler spielen".


Die Nuller

2000: „Während die alten Säcke trinkend den Bollerwagen durch die Lande ziehen, lädt das Schmidts Tivoli zum Vatertags-Special für Freundinnen. Drei Frauen zahlen nur zwei Theaterkarten."

2001 werden drei zusammenhanglose Taten – zwei Betrunkene griffen zwei andere Männer an, drei Unbekannte schlugen einen Mann zusammen, zehn Jugendliche warfen Flaschen auf einen Mann – zu „Gewaltexzessen am Herrentag".

2002 fragt sich AnnetteKlinkhardt, ob es Absicht sei, dass die ARD zum Vatertag eine Dokumentation über den Alkoholiker Harald Juhnke zeige, „an dem Tag, an dem sich all die Schlüpferstürmer, kleinen Feiglinge und Johnny Walkers wieder in den Armen liegen und sich gegenseitig versichern, dass sie die Besten sind".

2003 werden zwei Kurzartikel präsentiert, der eine über einen Mann, der eine Flasche von einer Brücke warf, der andere von zwei randalierenden Brüdern, die mit einer medizinischen Behandlung unzufrieden waren – Begebenheiten, die zwar nichts mit dem Vatertag zu tun haben, aber wen kümmern schon Details?

2004 lässt sich Felix Lee unter dem Titel „Wehret den Bollerwagen" folgende Zeilen einfallen: „Ein linkes Bündnis protestiert gegen die Vereinnahmung des Vatertags durch Neonazis. Denn in den vergangenen Jahren kam es wiederholt zur Allianz betrunkener Familienväter und grölender Rechter".

2005: „Vatertag in Dresden – Randale am Elbufer".

2006 werden ausländerfeindliche Überfälle durch den Titel („Unfriedlicher Vatertag") sinnfrei mit Vätern in Zusammenhang gebracht.

2007 lesen wir in zusammenhanglos aneinandergereihten Anekdoten von Ulrich Reineking, dass sich „inmitten der Hauptstadt Tausende von Trinkern in kleinen und großen Formationen durch die Straßen" bewegen und sich offenbar nicht einmal darüber einigen können, „ob diese Orgie des Stumpfsinns und des kollektiven Erbrechens nun Vatertag, Männertag oder Herrentag heißen soll".

2008 berichtet Lukas Dubro unter der Überschrift „Vatertag in Potsdam" über Handgreiflichkeiten zwischen alkoholisierten Männern und dem Besitzer einer Dönerbude.

2009 interessiert sich SofiaShabafrouz lieber für abseitige Dinge statt für die Lebenswirklichkeit von Männern: „Vatertags machen Männer merkwürdige Dinge. Tui bietet beispielsweise Panzerfahrten für ‚große und kleine Jungs' – inklusive Niederwalzen eines Schrottautos." Ihr Fazit, obwohl sie zugeben muss, dass rund 40 Prozent der Kunden Frauen sind: „Die Fahrt im Panzer als Freizeitvergnügen – wie sonst das Besäufnis am Vatertag. Nüchtern betrachtet, ist das nur schwer erträglich“.


Die Zehner

2010: „Vatertagsbilanz: 38 Ermittlungsverfahren".

2011 erzählt Janina Sperling: „Mein Vater, der Trinker". Eingeleitet wird der Artikel mit „Am Vatertag gehen Männer auf Sauftour. Ganz normal. Aber was, wenn der Vater Schnaps frühstückt?" Und die kontroverse Umfrage „Geht es den Vätern zu gut?", in der sämtliche Klischees der Mütterindustrie aufbereitet werden, wird eingeleitet mit „Viele Väter verbringen wenig Zeit mit ihren Kindern. Sie toben sich im Beruf aus. Am Vatertag werden sie trotzdem geehrt“.

2012 wird, in Ermangelung berichtenswerter Vorfälle, unter der Überschrift „Das Vatertags-Wetter" Folgendes zum Besten gegeben: „Bis auf eine Rangelei ‚im Bremer Süden', wie Huchting in Pressemitteilungen der Polizei gern genannt wird, blieb der Vatertag bis Redaktionsschluss undramatisch. Sechs junge Männer wurden vorübergehend in Gewahrsam genommen. Ebenso vorübergehend ist zum Glück die derzeitige Kälte: Heute 16, am Samstag schon 21 Grad“.

2013 wird zum Vatertag über eine Alkoholverbotszone in Göttingen schwadroniert: „Wo saufen subversiv ist".

2014 darf Katrin Seddig ihren Frauenfantasien die Zügel schießen lassen, wenn sie über den „Vatertag, an dem Männer alle Hemmungen fallen lassen können" berichtet und dabei folgenden Beweis ihrer schriftstellerischen Fähigkeiten antritt: „Wenn ein Junge ein Mann werden will, muss er sich auch mal an die Gesundheits- oder Todesgrenze rantrinken können. Er muss seinen Penis auf einer freien Wiese schwenken und herumpinkeln können. Er muss ferner ein bisschen rumgrölen und jemandem etwas androhen dürfen. Dann muss entweder er sagen können, dass er jemandem aufs Maul haut oder er muss das gesagt bekommen dürfen. Er muss stinkend und verletzt nach Hause kriechen können, denn nur so wird er endlich ein Mann und Vater werden“.

2015 echauffiert sich Hilke Rusch über den „sogenannten Vatertag" unter dem Titel „Sie wollen nerven: Wenn sie eine Liedzeile kennen, dann schreien sie mit" über betrunkene Männer in der Bahn.

2016 ist Erik Peter für das jährliche Männerbashing zuständig: „Wenn Männer sich feiern, werden sie nicht nur für sich zum Problem." Gemeint ist dies: „Männer, die sich selbst oder gegenseitig schädigen, sind nur eine Seite der Medaille – Frauen, die Opfer von Übergriffen werden, sind die andere." Im Artikel berichtet Erik Peter über Aktionen von „Berliner FeministInnen, Frauen-, Lesben, Trans- und Inter-AktivistInnen", die mit Sprüchen über Männer, „die mackernd durch die Stadt ziehen, uns belästigen und dabei unsere Grenzen überschreiten" herziehen oder fordern, dass „deutsche, heterosexuelle Männer" an diesem Tag nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln befördert werden sollen, um uns anschließend darüber aufzuklären, dass Männer „besonders aggressiv reagierten", weil sie „Flugblätter demonstrativ zerrissen", was die friedliebenden Frauen selbstredend mit Wasserbomben beantworten mussten.

2017 gibt es einen pubertären Beitrag über eine „Igittigitt"-Eiskreation, die an Trumps Haare erinnere, „passend zum vielerorts hemmungslos begangenen Vatertag".

2018 kotzt Sonja Vogel unter der Überschrift „Halbstarke am Herrentag" ihre Männerverachtung aus („Mensch, Mann - ganz egal") mit so schönen Sätzen wie „Männer klumpen am Bierstand, Toilettenhäuschen sind ihnen fremd" oder „Auf einem Hügel im Naturschutzgebiet dann stehen drei Herren mit heruntergelassenen Hosen. Den Blick lassen sie über die Dächer der Toiletten schweifen, in der einen Hand den Schwanz, in der anderen ein Bier“.



Nicht vergessen: Am 11. Juli ist wieder Tag der Geschlechter-Empathielücke.


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Gunnar